Für grüne und nachhaltige Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg

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Vor zehn Jahren stimmten die Hamburger*innen darüber ab, ob die Olympischen Sommerspiele 2024 in ihrer Stadt stattfinden sollten – und entschieden sich, anders als die befürwortenden GRÜNEN in Hamburg, dagegen. Gründe waren unter anderem fehlende Finanzzusagen des Bundes, eine zu späte Beteiligung der Bevölkerung und ein Internationales Olympisches Komittee (IOC), das durch Korruptionsskandale von Funktionären, fehlende Transparenz und enorme Anforderungen für Olympia an neu gebaute Sportstätten geprägt war. Dennoch blieben die Planungen und Diskussionen um Olympia nicht folgenlos – der Kleine Grasbrook, ursprünglich als Zentrum der Olympischen Spiele 2024 geplant, ist heute eines der größten aktuellen Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands und soll in den kommenden Jahrzehnten zu einem neuen, gemischt genutzten Stadtteil umgebaut werden. 

Nun stehen die Hamburger*innen wieder vor der Entscheidung, ob Olympische und Paralympische Spiele nach Hamburg kommen sollen. Wir als die GRÜNEN haben uns bereits in unserem Wahlprogramm und auch durch den mit großer Mehrheit verabschiedeten Koalitionsvertrag entschieden, uns für grüne, nachhaltige Spiele einzusetzen. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

In den letzten zehn Jahren hat sich die Welt stark verändert. Wir leben in polarisierten Gesellschaften und in einer internationalen Gemeinschaft, die von zunehmend radikalen politischen Fliehkräften dominiert wird. Gleichzeitig ist das IOC mit einem Frauenanteil von 40 Prozent, einer ehemaligen Athletin aus Simbabwe an der Spitze und detaillierten Nachhaltigkeitsvorgaben als Vergabekriterium eine Organisation, die sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat und sich mit der Agenda 2020+5 den heutigen Herausforderungen an Sportgroßveranstaltungen gestellt hat.

Die Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris, die als erste konsequent unter den neuen Reform-Richtlinien des IOC umgesetzt wurden, haben gezeigt, wie Olympia heute aussehen kann: weniger Gigantismus, mehr Kosteneffizienz, Integration in die Stadt und Nachhaltigkeit als Leitprinzip. Das heißt insbesondere, dass die Legacy, also die langfristigen Auswirkungen auf die Stadt, positiv sein soll, und vor allem gilt jetzt der Grundsatz: Die Spiele passen sich der Stadt an, nicht die Stadt den Spielen.

Doch nicht alle Reformen begrüßen wir. Die kürzliche Entscheidung des IOC, alle Frauen ab den Olympischen Spielen 2028 zu sogenannten Geschlechtertests auf der Basis von Gentests zu verpflichten, um trans* und intergeschlechtliche Athlet*innen von Frauen-Wettbewerben auszuschließen, kritisieren wir scharf. Sie verletzt die Privatsphäre der Athlet*innen massiv und stellt Frauen unter Generalverdacht. Die wenigsten Menschen kennen ihre Chromosomen genau. Die eigene Intergeschlechtlichkeit möglicherweise durch so einen erzwungenen Test herausfinden zu müssen ist nicht nur ein unverhältnismäßiger Eingriff in die persönlichen Rechte, sondern kann auch psychisch stark belastend sein. Dass trans* Frauen cis Frauen grundsätzlich sportlich überlegen seien, ist wissenschaftlich nicht belegt. Außerdem hängt Überlegenheit im Sport immer von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Wir setzen uns für die Rückabwicklung dieser Entscheidung ein.

Auch das Vergabeverfahren hat sich verändert: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat auf seiner Mitgliederversammlung im Dezember 2024 beschlossen, dass sich Deutschland im „Continuous Dialogue“ mit dem IOC für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben wird. Der Entscheidung geht eine breite Beteiligung zur Frage des möglichen Austragungsortes voraus. Der Bund hat sich in einer politischen Vereinbarung mit den potenziellen Ausrichterstandorten und dem DOSB zudem zu seiner Mitverantwortung für die Finanzierung bekannt.

Der DOSB hält es für sehr wahrscheinlich, dass Deutschland in einem der genannten Jahre und zwar bevorzugt 2040 oder 2044 Austragungsort der Olympischen Spiele wird – die Frage ist nur, in welcher Stadt oder Region. Die Hamburger*innen können am 31.05. entscheiden, ob es ihre Stadt werden soll. Sollten sie mit „ja“ stimmen, entscheidet final der DOSB am 26.09. über den deutschen Austragungsort.

Das vorgelegte Finanzierungskonzept sieht vor, dass die Kosten für die Durchführung der Spiele im Wesentlichen durch Beiträge des Internationalen Olympischen Komitees, nationale Fördermittel sowie private Investitionen getragen werden. Gleichzeitig setzt das Konzept darauf, durch die Nutzung bestehender Infrastruktur und temporärer Anlagen die öffentlichen Investitionen zu begrenzen und langfristige Mehrwerte für die Stadtentwicklung zu schaffen. Damit bietet es eine belastbare Grundlage für die weitere Prüfung und Ausgestaltung einer möglichen Bewerbung.

Sport als Motor für gesellschaftlichen Zusammenhalt

„Sport entfaltet eine große integrative und inklusive Kraft. Die Anerkennung und Akzeptanz der Verschiedenheit im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Religion, Herkunft, Behinderung oder sexuelle Orientierung ist im Sport bereits vielfach gelebte Praxis, die wir stärken wollen“ – das haben wir in unser aktuelles Regierungsprogramm geschrieben.

Angesichts der multiplen Krisen, in denen wir uns befinden, sind die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht nur sportliche Großereignisse, sondern vielmehr Events, die dringend benötigte Brücken schlagen können: Zwischen Nationen, zwischen unterschiedlichsten Menschen mit verschiedenen Geschichten und aus verschiedenen politischen Systemen können die Spiele dazu beitragen, dass über die Begeisterung für den Sport die Gegensätze kleiner und das Verbindende größer wird.

Die Spiele sollen nicht nur ein Event für Sportbegeisterte, sondern ein Festival mit einem breiten Rahmenprogramm für die ganze Stadt werden. In Paris ist das gelungen: Umfragen zeigen, dass trotz erhöhter Sicherheitsanforderungen und Baustellen das Ereignis dann auch viele Skeptiker*innen überzeugt hat.

Hamburg mit seiner Weltoffenheit, seiner Geschichte als Tor zur Welt und seiner Vielfalt könnte das moderne Gesicht Deutschlands werden und so zur Botschafterin für das europäische Sportmodell werden. Dafür ist wichtig, dass Hamburg noch aktiver gegen Queerfeindlichkeit im Sport wird und sich auch dort insbesondere für die diskriminierungsfreie Teilhabe von trans*, inter, nicht-binären und agender Menschen einsetzt.

Hamburg hat in Sachen Sport viel vorzuweisen: Mit über 620.000 aktiven Vereinssportler*innen ist die Stadt in der Tat eine „Active City“ – die zudem eine nachgewiesene Strategie für Sport, Bewegung und Gesundheit vorweisen kann und etwa 100 Millionen Euro jährlich in die Sportinfrastruktur investiert. Das Konzept der „Active City“ ist übrigens ebenfalls eine Legacy, die sich aus den Diskussionen um Olympia 2024 ergeben hat. Darüber hinaus beweist die Stadt immer wieder aufs Neue ihre umfangreiche, langjährige Expertise in der Durchführung von sportlichen Großereignissen wie dem World Triathlon Hamburg, dem Hamburg Marathon und den Hamburg Cyclassics.

Olympische und Paralympische Spiele für alle

Ein zentrales Instrument in Paris war die gezielte Vergabe von vergünstigten und kostenlosen Tickets. Über kommunale Programme wurden Kartenkontingente an einkommensschwache Haushalte, Schulklassen, Jugendzentren und Sportvereine vergeben. Auch Hamburg könnte ein verbindliches „Community-Ticket“-Programm etablieren. Denkbar wäre ein festes, gesetzlich verankertes Ticketkontingent für Menschen mit geringem Einkommen, Bezieher*innen von Sozialleistungen, Auszubildende sowie Ehrenamtliche. Ergänzend könnten kostenfreie Public-Viewing-Zonen, wie in Paris, in allen Bezirken eingerichtet werden, um die Spiele als gesamtstädtisches Ereignis erlebbar zu machen und nicht nur als Innenstadtprojekt. Dabei ist insbesondere die Einbeziehung der Bezirke von zentraler Bedeutung.

Angesichts der schwierigen Wohnraumsituation sollten für Hamburg außerdem weitergehende Maßnahmen entwickelt werden. Möglich wären

  • temporäre Mietpreis-Schutzregelungen im Veranstaltungszeitraum, um spekulative Mieterhöhungen zu verhindern;
  • strenge Regulierung von Kurzzeitvermietungen (z. B. Airbnb) während der Spiele, um dem Entzug regulären Wohnraums entgegenzuwirken;
  • Sozialmonitoring vor, während und nach den Spielen, um Verdrängungstendenzen frühzeitig zu erkennen und dann gegensteuern zu können.

Die olympische Generation in den Blick nehmen

In den Umfragen für Hamburg zeigt sich: Insbesondere jüngere Menschen sprechen sich für Olympische und Paralympische Spiele aus. Viele sind selbst aktiv, begeistert vom Sport und sehen auch für ihre Kinder die Chance, einmal die Spiele in ihrer Stadt zu erleben oder sogar selbst teilzunehmen. Umso wichtiger ist es, Kinder und Jugendliche von Anfang an und kontinuierlich in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Auch wenn Hamburg bereits viel in den Sport investiert, ist noch sehr viel zu tun. Gerade angesichts zunehmender motorischer Probleme bei jungen Kindern ist es essenziell, dass Bewegungsförderung bereits selbstverständlicher Teil des Alltags für die Kleinsten wird. Wir GRÜNEN fordern daher, dass bereits für Kita-Kinder tägliche Bewegungsförderung unter qualifizierter Anleitung ermöglicht wird. Als „Olympische Generation“ sollen künftig Hamburger Schulkinder fünf Stunden Sport pro Woche haben: drei im Regelunterricht am Vormittag, zwei weitere im schulischen Ganztag.

Für die Förderung der Schwimmfähigkeit durch die Stärkung der Wassergewöhnung ist eine strukturelle Verbesserung der Rahmenbedingungen notwendig: Es müssen Lehrschwimmbecken in ausreichender Anzahl und mit ausreichend reservierten Zeiten ebenso vorgehalten werden wie qualifizierte Schwimmlehrkräfte bei Bäderland, der DLRG und den gemeinnützigen Schwimmvereinen. Die Teilnahme an Kursen zur Wassergewöhnung soll für alle Kinder niedrigsschwellig ermöglicht werden.

Für die anvisierten fünf Stunden Sportunterricht pro Woche braucht es deutlich mehr Lehrer*innen, die fachgerecht ausgebildet werden müssen. Außerdem soll über Qualitätssicherung des Sportunterrichts der Anteil an „fachfremd“ unterrichteten Sportstunden – insbesondere an Grundschulen – durch mehr Aus-, Fort- und Weiterbildung von Sportfachlehrkräften gesenkt werden.

Für ein flächendeckendes qualifiziertes Ganztagsangebot von Sportvereinen muss der Zugang zu den Schulsportanlagen und die Finanzierung gesichert werden.

Verbindliche Kooperationsstrukturen zwischen Sportvereinen und Schulen müssen etabliert und gestärkt werden, Organisations- und Versicherungsfragen geklärt und Talentförderung sowie Ganztagsangebote gestärkt werden. Durch die Zentralisierung der Organisation in Sportverbänden können auch kleine Vereine mit einbezogen werden, die den zugehörigen Aufwand aus dem Ehrenamt heraus alleine nicht bewältigen können, aber einen wichtigen Beitrag für eine frühzeitige Begegnung mit olympischen und paralympischen Sportarten leisten können. 

Sportstätten ausbauen – für den Breitensport und die Spiele

Das vorgelegte Sport- und Trainingsstättenkonzept setzt überwiegend auf bestehende Anlagen sowie temporäre Wettkampfstätten und sieht gezielte Modernisierungen im Hamburger Sportstättennetz vor, von denen die gesamte Stadt profitiert. Nur 24 Prozent der Sportstätten sollen temporär errichtet werden – 76 Prozent Prozent bestehen bereits oder werden zurzeit geplant bzw. sollen ertüchtigt werden.

Klar ist: Es gibt noch viel zu tun. Trotz der signifikanten Investitionen der Stadt in Sportstätten sind immer noch viele existierende Hallen und Plätze sanierungs- oder erneuerungsbedürftig. Ein Beispiel dafür sind die Sportstätten auf dem Unicampus am Rothenbaum, die nicht nur veraltet und nicht behindertengerecht sind, sondern auch nicht mehr sinnvoll saniert werden können. Hier ist nicht nur die zeitgemäße Ausbildung für zukünftige Lehrkräfte gefährdet – die ja in großer Zahl für die „Olympische Generation“ in Schulen und Kitas gebraucht werden, sondern auch die Angebote der mehreren Tausend Teilnehmenden des Hochschulsports Hamburg, ganz zu schweigen von dem Plan, das Gelände als künftige Trainingsstätte für die olympischen und paralympischen Sportler*innen zu nutzen.

Bei den anstehenden Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen setzen wir GRÜNE Hamburg uns dafür ein, dass die Hallen in der ganzen Stadt konsequent klimagerecht ertüchtigt werden. Nicht nur olympische und paralympische Sportler*innen sollen profitieren, sondern auch der Breitensport. Derzeit sind die Temperaturbedingungen unzureichend – im Winter zu kalt, im Sommer zu heiß. Versiegelte Flächen sollen so weit wie möglich reduziert werden. Zudem sollen neue Sporthallen künftig mit begrünten Fassaden und Dachflächen einschließlich Anlagen zur Brauchwassergewinnung geplant und realisiert werden. Bestehende Sportstätten müssen nach Möglichkeit klimaschonend saniert und nachgerüstet werden. Auch bei der Planung der Olympia-Austragungsorte berücksichtigen wir den Naturschutz und schaffen mit einer Mountainbike-Strecke in Hummelsbüttel ein Angebot, das das Landschaftsschutzgebiet in den Harburger Bergen nicht weiter belastet.

Um diese Maßnahmen zu unterstützen, soll Hamburg seine bereits sehr erfolgreichen Bemühungen zur Einwerbung von Bundesmitteln fortsetzen und die wissenschaftliche Expertise in den Hamburger Hochschulen miteinbeziehen.

In der Summe profitieren nicht nur die Profisportler*innen von modernen und barrierefreien Sportstätten, sondern vor allem der Breitensport, insbesondere der inklusive Sport und die Hamburger Bevölkerung.

Paralympische Spiele – ein Gewinn nicht nur für die Sportler*innen 

Während das Ziel der Barrierefreiheit über Parteigrenzen hinweg geteilt wird und große Anstrengungen unternommen werden, gelingt die Umsetzung oft nicht in dem gewünschten Ausmaß. Oft scheitert sie an begrenzten finanziellen Ressourcen, fehlender Priorisierung im politischen Prozess oder unzureichender Berücksichtigung der Bedürfnisse betroffener Menschen. Die Paralympischen Spiele sind hier ein großer Treiber. Sie bieten auch eine Chance, die Stadt nicht nur für körperlich eingeschränkte Sportler*innen weiterzuentwickeln, sondern verbessern die Barrierefreiheit für die gesamte Bevölkerung und bedeuten einen großen Fortschritt für die Age-friendly City. Der öffentliche Raum wie auch staatliche Kulturorte und Sportstätten müssen deshalb systematisch, verbindlich und überprüfbar barrierefrei weiterentwickelt werden. Wir verstehen Barrierefreiheit dabei als umfassende Querschnittsaufgabe, die kulturelle Teilhabe, Mobilität, Wohnen, Verwaltung, Digitalisierung und bewegungsförderliche Stadtgestaltung gleichermaßen umfasst. Internationale Großveranstaltungen müssen dabei als Beschleuniger für die angestrebte inklusive Infrastruktur genutzt werden, damit Investitionen dauerhaft der gesamten Stadtgesellschaft zugutekommen. 

Wir GRÜNE Hamburg fordern im Kontext der Paralympics einen Masterplan Barrierefreiheit bis 2040:

  • Alle staatlich verantworteten Kultur- und Sportstätten sollen vollständig barrierefrei zugänglich, nutzbar und erlebbar sein. Maßstab ist dabei eine ganzheitliche Inklusion, die bauliche, technische und kommunikative Anforderungen gleichermaßen berücksichtigt – von der physischen Zugänglichkeit über barrierefreie Infrastruktur bis hin zu inklusiven Informations- und Veranstaltungsformaten bei öffentlich geförderten Angeboten.
  • Soweit es möglich ist, wollen wir die Vereine und Sportfachverbände dabei unterstützen, Parasportarten in künftige Sportveranstaltungen zu integrieren, wie es bereits bei Marathon und Triathlon der Fall ist.
  • Auch der öffentliche Raum ist konsequent als inklusiver Lebensraum weiterzuentwickeln. Zentrale Verkehrsachsen und Quartierszentren sollen schrittweise barrierefrei umgebaut und bestehende Zugangsbarrieren systematisch abgebaut werden. Dies schließt eine inklusive Gestaltung von Aufenthalts-, Spiel- und Erholungsflächen ausdrücklich ein.
  • Über 90 Prozent der U- und S-Bahn-Stationen sind in Hamburg bereits barrierefrei. Auch die verbleibenden Stationen werden in den kommenden Jahren barrierefrei ausgebaut. Ziel ist es, in den nächsten Jahren einen stärkeren Fokus auf die Barrierefreiheit von Bushaltestellen zu legen und das 2-Sinne-Prinzip insbesondere digital flächendeckend auszubauen. Die Paralympischen Spiele wären ein erheblicher Rückenwind, um den ÖPNV in Hamburg bis 2040 vollständig barrierefrei zu organisieren.
  • Barrierefreiheit ist darüber hinaus von Beginn an als Querschnittsanforderung in allen Smart-City-Anwendungen zu verankern. Digitale und intelligente Systeme sollen sich konsequent an unterschiedlichen Zugänglichkeitsbedarfen orientieren und damit eine selbstbestimmte Teilhabe im urbanen Alltag sichern.

Nachhaltige Olympische und Paralympische Spiele

Die Vorgaben des IOCs sind klar: Die Olympischen und Paralympischen Spiele müssen nach 2030 klimapositiv sein. Das heißt: Vermeidung und Reduktion aller direkten und indirekten Emissionen, Kompensation unvermeidbarer Emissionen sowie zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen, die über die eigenen Emissionen hinausgehen (z.B. Renaturierung, erneuerbare Infrastruktur, langfristige CO₂-Bindung). Die Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris haben gezeigt, welche klimapolitische Herausforderung es zu bewältigen gilt: Insgesamt fielen dort 2,1 Millionen Tonnen CO₂ an. Diese auszugleichen ist eine große Herausforderung, aber auch eine Chance. Unter dieser Vorgabe wird klar, dass Hamburg nach den Spielen grüner und lebenswerter sein muss als vorher. Dabei ist uns wichtig, dass die gesamte Stadt von Ausgleichs– und Klimaschutzmaßnahmen profitiert.

Auch hier hat Paris gezeigt, was möglich ist: Zum Beispiel wurde das Schwimmen in der Seine zunächst für die Wettkämpfe, danach aber auch für die Bevölkerung ermöglicht. Angesichts der Pläne für die Alster fordern wir GRÜNEN, auch die Wasserqualität dieses Gewässers zu verbessern, etwa durch Gewässerrandstreifen mit dichter Ufervegetation, Phosphatfällung, verringerte Düngung von Parks und Gärten sowie dem Ausbau der Schwammstadt.

Das Konzept eines „Olympisches Bandes”, das sich vom Volkspark über den Bornkamppark, den Sportpark Lunapark, Planten un Blomen, den Bille- und Tidepark bis hin zum Wasserpark Dove-Elbe (Eichbaumsee) erstreckt, unterstützen wir ausdrücklich.

Großveranstaltungen produzieren derzeit noch große Müllmengen. Wir wollen die Erfahrungen aus bisherigen Großsportveranstaltungen nutzen, um Mehrweg und Kreislaufwirtschaft zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen.

Mehr als die Hälfte des emittierten CO₂, nämlich 1,1 Millionen Tonnen, entstanden in Paris allein durch die An- und Abreise von Teilnehmer*innen und Besucher*innen. Auch vor dem Hintergrund des Zukunftsentscheids soll Hamburg daher im Rahmen seiner Zuständigkeiten sowie in Abstimmung mit dem Bund, der Europäischen Union, der Luftverkehrswirtschaft und dem Flughafenbetreiber darauf hinwirken, dass Flüge von und nach Hamburg perspektivisch – mit dem Zieljahr 2040 – weitestmöglich mit Sustainable Aviation Fuels (SAF) durchgeführt werden und die hierfür erforderliche Infrastruktur, Versorgungsketten und Anreizsysteme frühzeitig aufgebaut werden. Darüber hinaus setzen wir GRÜNEN uns in Hamburg dafür ein, den besonders klimaschädlichen Einsatz von Privatjets deutlich zu begrenzen. Hierzu soll geprüft werden, inwieweit – nach dem Vorbild internationaler Flughäfen wie Amsterdam-Schiphol – rechtlich zulässige Beschränkungen für das Landen von Privatjets am Hamburger Flughafen erlassen werden können.

Ein Booster für Hamburgs Verkehrsprojekte

Für den Verkehr würden die Olympischen und Paralympischen Spiele einen unvergleichlichen Booster bedeuten. Hamburg hat mit dem Ausbau des Hauptbahnhofs, der U5, der S-Bahn bis nach Bahrenfeld, der Köhlbrand- und der Freihafenbrücke milliardenschwere Infrastrukturprojekte geplant.

Die ehrgeizigen Pläne konkurrieren mit denen anderer Städte um Bundesmittel. Mit den Spielen in Hamburg würden die Bundesmittel schneller und verlässlicher nach Hamburg fließen. Insbesondere die S-Bahn nach Bahrenfeld würde verlässlich und schneller kommen, um die Science City als temporäres olympisches Dorf anzubinden. Hamburg wird die wichtigsten Wettkampfstätten mit einer Olympic Bike Lane verbinden.

Ein Großteil der Zuschauer*innen wird aus Regionen südlich der Elbe anreisen. Vor dem Hintergrund sind der Neubau der Elbbrücken mit der Erweiterung auf sechs Bahngleise sowie die Erhöhung der Kapazitäten der Elbquerungen für Individualverkehr und ÖPNV essenziell. Bei dem zu entwickelnden Mobilitätskonzept gilt es, „Anreisehubs“ zu bilden, von wo aus die Sportstätten nördlich der Elbe mit eng getaktetem ÖPNV zu erreichen sind. Darüber hinaus können autonome, flexibel einsetzbare Kleinbusse in Ergänzung zum ÖPNV eingesetzt sowie digitale Verkehrsprognosen in Echtzeit genutzt werden, um Besucher*innen gezielt zu lenken, Verkehrsströme zu reduzieren und eine gute Anbindung aller Sport- und Begegnungsstätten in der ganzen Stadt zu gewährleisten.

Die erforderliche Transportkapazität zwischen Hannover und Hamburg ist nicht mit dem Ausbau der Bestandsstrecke erreichbar. Die auch von der Deutschen Bahn bevorzugte Neubautrasse entlang der A7 stärkt den Schienenverkehr nachhaltig, auch für Berufspendler*innen aus Niedersachsen.

Da das Konzept der Spiele eins der kurzen Wege ist, muss auch die Infrastruktur für den Fußverkehr barrierefrei weiterentwickelt werden.

Olympisches Dorf

Ziel ist es, das olympische Dorf in der künftigen Science City zu realisieren. Mit geplanten 56 Prozent preisgedämpftem Wohnraum zeigt sich, dass die nachhaltige Nutzung des olympischen Dorfes im Sinne von „Legacy first” von Anfang an mitgedacht wird. Gleichzeitig gilt: Wie gut die Science City sich als olympisches Dorf eignet, hängt stark davon ab, in welchem Jahr die Spiele gegebenenfalls stattfinden. Für 2040, das der wahrscheinlichste Austragungszeitpunkt ist, wird voraussichtlich die dann entstandene Wohnbebauung in der Science City genutzt werden könnte.

Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass es 2036 werden sollte, ist eine vollständige Fertigstellung sehr ambitioniert. Eine Nutzung erst in 2044 wäre voraussichtlich problematisch, weil die Science City dann bereits bewohnt sein wird. Für diesen Fall wären voraussichtlich Maßnahmen wie die Ergänzung durch Kreuzfahrtschiffe mit Landstromversorgung aus regenerativen Quellen als Unterbringung für die Delegationen notwendig und möglich.

Ein grünes Olympia als Chance

Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg können – wenn sie konsequent nachhaltig, sozial und inklusiv geplant werden – weit mehr sein als ein sportliches Großereignis. Sie bieten die Chance, notwendige Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz, Barrierefreiheit und Sportförderung zu beschleunigen und dauerhaft für die gesamte Stadtgesellschaft nutzbar zu machen. Entscheidend ist, dass ökologische Standards verbindlich eingehalten, Kosten transparent gesteuert und die Bevölkerung kontinuierlich beteiligt wird. Dann können die Spiele zu einem internationalen Signal für eine neue Generation von Großereignissen werden: klimapositiv, inklusiv, stadtverträglich – und mit einer starken sozialen und sportlichen Legacy für Hamburg. Sie werden dann dazu beitragen, die Hansestadt Hamburg als attraktiven Wirtschaftsstandort mit faszinierender Geschichte, vielfältiger Sport-, Kultur- und Wissenschaftslandschaft in der Welt zu profilieren.

Wir glauben an Nelson Mandelas Worte „Sport has the power to change the world“. In diesem Sinne werben wir GRÜNE Hamburg bei den Hamburger*innen dafür, beim Referendum am 31. Mai mit „ja“ zu stimmen.

Prüfung einer LDK: Für eine ze…